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Grenzerfahrung – von der Mongolei nach Russland

Die Grenze Tsagaan Nuur/Tashanta ist nicht sehr groß. Kleine Grenzübergänge sind meistens ein Vorteil, weil wenig Gedränge herrscht und alles überschaubar ist.

Kurz nach 8 Uhr sind wir mit dem Frühstück fertig und fahren die letzten Kilometer zu Grenze. Vor uns steht nur ein Kleinbus. Heute scheint nicht viel los zu sein.

Ausreise aus der Mongolei

Beim Häuschen neben dem Tor werden das Auto und der Fahrer in ein Buch eingetragen und wir bekommen einen Laufzettel. Eine uniformierte Dame geht von Auto zu Auto und kassiert die Mongolian Road Tax (MNT 10.000 oder RUB 300). Wir bekommen eine Zahlungsbestätigung von ihr. Um 9 Uhr wird die Grenze pünktlich geöffnet und wir dürfen reinfahren. Die Einreisespur ist rechts vom Gebäude und wir halten am Beginn der Kontrollspuren.

Im Gebäude sind alle Stationen in einem Raum beisammen. Zuerst gehen wir – wie der Fahrer des Kleinbusses vor uns – zur Quarantäne-Kontrolle. Dort bekommen wir einen Stempel auf den Laufzettel, nachdem wir bestätigt haben, dass wir keinen Fisch mitführen. Dann geht Wolfgang zum Zoll-Schalter. Die Einheimischen bekommen bloß einen Stempel auf den Laufzettel und gut ist es. Bei uns wird das Carnet de Passage, mit dem wir in die Mongolei eingereist sind, an einen Zöllner am Schreibtisch weitergereicht. Er studiert das Dokument sehr genau und beginnt zu telefonieren. Als er das Telefonat beendet hat, fragt er nach, wann wir eingereist sind. Dann grübelt er weiter. Von Zeit zu Zeit mischen sich seine Kollegen ein. Wir verstehen leider nichts von dem, was gesprochen wird. Nach einer guten halben Stunde drückt eine Kollegin ihren Stempel auf das Carnet und eine zweite Kollegin ihren Stempel auf den Laufzettel. Das nennt man Arbeitsteilung! Wir haben irgendwo gelesen, dass die Einreise in die Mongolei mit dem Carnet einfacher sei; wir können das nicht bestätigen und würden es das nächste Mal nicht herzeigen.

Jetzt fehlt nur noch die Personenkontrolle. Dort stellt sich Judith schon eine ganze Weile an. Aber weil es bei Wolfgang ohnehin länger dauert, wurden alle anderen Passagiere vorgezogen. Erst als Wolfgang vom Zoll herüberkommt, werden unsere Pässe bearbeitet. Noch ein schnelles Foto, dann ist alles erledigt. Fahrzeugkontrolle gibt es offenbar keine.

Wir fahren weiter zum Ausfahrtstor. Dort geben wir den Laufzettel ab und zeigen die Pässe vor. Dann dürfen wir passieren.

Einreise Russland

Vor uns liegen 25 km Niemandsland. Der Beginn der russischen Seite ist nicht nur am Tor erkennbar, bei dem unsere Fahrzeugdaten und die Anzahl der Passagiere erfasst werden, sondern auch am Wechsel von einer Schotterstraße auf Asphalt. Wir bekommen beim Tor die Immigration Card, die wir ausfüllen müssen, und einen Laufzettel.

Von dort fahren wir weiter bis zu den Kontrollspuren. Hier stehen einige Metalltische, auf denen Reisende bei der Fahrzeugkontrolle ihre Habseligkeiten ausbreiten müssen. Im ersten Häuschen befindet sich die Passport Control. Die Bearbeitung erfolgt wie immer bei den Russen sehr korrekt. Der Beamte spricht von Arnold Schwarzenegger und verabschiedet sich freundlich mit „Welcome in Russia!“ Dann geht’s weiter zum nächsten Häuschen, der Transport Control. Hier muss Wolfgang ein Formular in zweifacher Ausfertigung ausfüllen (Customs Declaration) und ein zweites in einfacher Ausfertigung. Das dauert eine Weile, währenddessen arbeitet die Dame mit dem Zulassungsschein am Computer. Bei der Durchsicht des Formulars stellt sie fest, dass ein paar Felder nicht korrekt ausgefüllt sind. Überraschenderweise nimmt sie selbst den Stift in die Hand und füllt zwei neue Formulare aus. Das ist echter Service! Dann kommt ein Aufkleber mit einem QR-Code drauf und ein paar Stempel. Fertig!

Die Fahrzeugkontrolle ist diesmal eher oberflächlich. Wir machen einige Fächer auf und öffnen auch die Dachboxen. Mehrmals fragen die Zöllner nach diversen Medikamenten. Da unsere Arzneibox in einem Fach verstaut ist, das sie nicht sehen wollen, zeigen wir ihnen nur das Standard-Erste-Hilfe-Paket, das im Auto liegt. Als sie das Verbandszeug sehen, sind sie zufrieden.

Danach dürfen wir zum Schranken vorfahren. Dort wird der Laufzettel eingesammelt und ein Blick auf die Einreisestempel gemacht. Außerdem verschwindet ein Beamter vom Zoll mit der Customs Declaration in seinem Container. Nach zwei Minuten kommt er wieder heraus und gibt uns das Dokument zurück. Alles ok, wir dürfen passieren.

Wir sind wieder in Russland! Für die Ausreise aus der Mongolei, die Fahrt im Niemandsland und die Einreise nach Russland haben wir nur etwas mehr als zweieinhalb Stunden benötigt. So schnell kann‘s gehen, wenn alles klappt.

Versicherung

Gleich hinter der Grenze befindet sich der kleine Ort Tashanta, in dem wir die Autoversicherung kaufen. Diese Versicherung ist etwas teurer als bei unserer letzten Einreise, aber wir haben keine Lust, noch einen anderen Versicherungsvertreter zu suchen.

Internet

In Kosch-Agatsch finden wir nur einen Handy-Shop in einem Supermarkt. Dort kaufen wir eine SIM-Karte von MTC Russia für unser Wifi. 8 GB für ein Monat kosten RUB 370, so haben wir es zumindest verstanden. Tatsächlich ist das Internet schon nach einer Woche wieder gesperrt und wir sollen wieder eine Zahlung leisten. Wir verzichten darauf und kaufen stattdessen eine Megafon-SIM-Karte. Um 800 Rubel gibt es bei Megafon 30 GB im Monat und Gratis-Internet in der Nacht (von 1 bis 6:59 Uhr).

Damit haben wir alles beisammen, was wir so brauchen, um die nächsten Wochen in Russland zu verbringen.

Registrierung

Ach ja, die Registrierung fehlt noch. Das erledigen wir in Barnaul, wo wir in einem Hotel übernachten.

In Moskau müssen wir in einem Hostel eine lange Diskussion führen, weil wir seit unserer Einreise nach Russland nur sehr selten registriert wurden. Sie befürchten, dass wir eine Strafe in Höhe von 5.000 Rubel aufgebrummt bekommen. Nur mit Mühe können wir vermeiden, zur Behörde mit gehen zu müssen. Wir geben dem Hostel Kopien vom Zulassungsschein und vom Führerschein, damit sie der Behörde belegen können, dass wir mit dem Auto unterwegs sind und nie lange an einem Ort waren, weshalb wir uns nicht registrieren mussten.

Herzlich willkommen!

Wir sind Judith und Wolfgang

judithwolfgang

Beide mit dem Reisevirus infiziert, passionierte Defender-Fahrer und Overlander.

Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Begleite uns ein Stück des Weges!

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