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Ashgabat – die weiße Marmorstadt

Kurz nach dem letzten Grenzzaun fahren wir durch einen weißen Marmorbogen in eine weiße Marmorstadt – Ashgabat, die Hauptstadt Turkmenistans.

Einfahrtstor nach Ashgabat

Wir fühlen uns wie in einer Filmkulisse. An der Stadteinfahrt ist kein Auto zu sehen, keine Menschen auf der Straße, links und rechts hohe weiße Gebäude, weiße Laternenmasten. Kein Staubkörnchen auf der Straße. Erst im Stadtzentrum stoßen wir auf rote Ampeln und viele weiße Autos. Nur ganz selten taucht ein farbiges Auto auf. Alle sind blitzblank geputzt.

Breite, leere Straßen zwischen weißen Häuserfronten Weiß, wohin das Auge blickt

Wir finden schnell zum Ak Altyn Hotel, wo wir auf dem Parkplatz übernachten können. Gegenüber entdecken wir ein kleines Geschäft, in dem es Bier zu kaufen gibt. Zum Abendessen gibt es Jause mit Tsatsiki, Wurst, Käse, Tomaten, und dazu BIER – unser erstes seit sieben Wochen.

Wir beobachten die Leute, die auf dem Gehsteig vorbeigehen. Viele Frauen sind in traditionelle Kleider gewandet. Aber manche gehen in kurzen Miniröcken vorbei, andere in Hotpants. Viele tragen kein Kopftuch und selbst das traditionelle Kopftuch verdeckt nur die Haare, aber lässt den Hals und die Schultern frei. Außerdem ist die Tracht sehr bunt. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt. Was uns noch auffällt: Hier fahren viele dicke Autos herum. Das wird wohl der Hauptstadt-Bonus sein, den viele Bonzen genießen. Auf dem Land wird es wohl anders aussehen. Abends setzen wir uns in die Lobby, genießen die Klimaanlage und nutzen das Internet (pro Tag 4 TMT). Es funktionieren nur wenige Webseiten. Sogar unsere eigene Seite ist gesperrt! Was für eine Auszeichnung!

Unser Stellplatz

Nächsten Morgen werden wir bereits um 7 Uhr wach, weil es schon wieder drückend heiß ist. Dabei sind erst die letzten Nachtstunden ein bisschen angenehmer geworden. Wir fühlen uns wie in der Wüste. Das ist auch kein Wunder, Ashgabat liegt mitten in der Wüste Karakum.

Wir wollen zuerst einmal Geld wechseln. Angeblich kann man das im Tolkuchka Bazaar ganz gut. Dieser liegt etwa 20 km außerhalb. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Flughafen vorbei. Das Gebäude ist in Form eines fliegenden Falken errichtet worden und sieht beeindruckend aus. Leider darf man es wie viele andere Gebäude nicht fotografieren (wir tun es doch). Beim Bazaar angekommen, müssen wir feststellen, dass dieser heute geschlossen hat. Nur auf einem kleinen Teil ist ein Gemüsebasar geöffnet. Aber dort gibt es keine Geldwechsler.

Der Flughafen

Wir versuchen es daher in der Innenstadt. Zuerst wandern wir durch den Teke Bazaar. Auch hier scheint es keine Geldwechsler zu geben. Judith wird von einer Blumenfrau darauf hingewiesen, dass Filmen zu einem Problem mit der Polizei führen kann. Gut, dann filmen wir also auch keinen Basar. An einem Ausgang gibt es eine lautstarke Auseinandersetzung. Ein Polizist hat einer alten Frau eine große Tasche entrissen und sie zum Polizeiauto gebracht. Die Frau und eine Marktfrau schimpfen laut mit dem Polizisten. Wir wissen nicht, worum es eigentlich geht, aber die Tasche scheint beschlagnahmt zu sein.

Einen dritten Versuch unternehmen wir beim Russian Market, einem weiteren Basar. Bei einem Fleisch- und Käsestand preist der Verkäufer zuerst den Käse an, dann die Wurst, und dann fragt er „Money change?“ Wir nicken kurz und machen ein paar Schritte auf ihn zu. Er bietet uns einen Kurs von 15 Manat für einen USD (der offizielle Kurs wäre 3,5 TMT für einen USD!).

Das Bargeld in der Tasche bringt uns in Kauflaune und wir kaufen Käse (richtigen, gereiften Käse, den es im Iran nicht gibt) und bei einem anderen Stand einen heißen Snack in Form eines gebackenen Teigs mit Fleischfülle, den wir gleich im Auto verspeisen.

Als nächstes wollen wir ein wenig Sightseeing machen, soweit das in dieser überwachten Stadt möglich ist. In der Innenstadt steht an jeder Kreuzung mindestens ein Polizist, und die winken laufend Autos aus dem Verkehr zur Kontrolle. Zusätzlich sind jede Menge Überwachungskameras montiert. Außerdem ist natürlich Fotografieren von öffentlichen Gebäuden strengstens verboten.

Wir fahren zum Independence Park, denn das große Präsidentendenkmal wird man ja wohl doch fotografieren dürfen. Der Präsident gab sich ganz uneitel den Namen Turkmenbashi, das heißt "Vater der Turkmenen". Die goldene Statute dreht sich übrigens mit der Sonne mit, damit sie immer in die Sonne schaut. Am anderen Ende des Parks befindet sich ein runder Turm mit einem Café im obersten Stockwerk. Dort essen wir eine Kleinigkeit und genießen die Aussicht.

Ausblick auf die Innenstadt Die Statue des ersten Präsidenten
Entlang des Parks führt eine achtspurige Straße und nur alle paar Minuten fährt ein Auto durch. Es hat gute 40°C und die Sonne knallt auf den Asphalt. Eine kurze Abkühlung verschafft uns das Buswartehäuschen, denn das ist klimatisiert und am Fernseher läuft ein Sportkanal.

Bevor wir zum Hotel zurückfahren, wollen wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen. Der Kamil Supermarket lässt keine Wünsche offen. Wir finden sogar österreichische Produkte darunter. In der Abteilung für alkoholische Getränke, die in einem eigenen Raum untergebracht ist, kaufen wir Bier und wir sehen sogar eine Flasche Jack Daniels, nur leider ist diese extrem teuer (rund 70 USD). Wir hätten nicht einmal genug Geld dabei und werden hier wohl auf Wodka als Magenmedizin umsteigen müssen.

Österreichische Produkte in Ashgabat

Am Retourweg fahren wir am Olympic Park vorbei, einem riesigen Areal, auf dem Sportstätten für eine Sommerolympiade untergebracht sind. Es gibt ein Rad-Stadion, ein Schwimmstadion, Tennisstadion und ein großes Olympiastadion, über dem ein riesiges Pferd thront, das die olympische Fackel tragen soll. Alles ist geschlossen und mit hohen weißen Zäunen abgesperrt. Wir haben auch noch nie von olympischen Spielen in Turkmenistan gehört, der Präsident jedoch scheint vorbereitet zu sein.

Das Olympic Stadion

Als wir am Hotelparkplatz ankommen, ist es später Nachmittag. Zeit für einen Sundowner im Iceberg Garden, einem Biergarten in der Nähe. Hier kostet die Halbe nur 4 TMT und 1,5 l kosten nur 12 TMT. Kein Wunder, dass sich die Einheimischen hier das Bier in Flaschen abfüllen lassen, unsere 0,5 l Dosen aus dem Supermarkt haben ebenfalls 12 TMT gekostet!

Am nächsten Morgen trudeln langsam die Angestellten ein und begrüßen uns bei unserem Frühstück neben dem Parkplatz. Die Leute hier sind wesentlich distanzierter als im Iran. Meist müssen wir zuerst grüßen, bevor wir einen Gruß oder ein Lächeln erhalten. Nur selten winkt uns ein Autofahrer zu. Wohl eine Folge der intensiven Überwachung.

Herzlich willkommen!

Wir sind Judith und Wolfgang

judithwolfgang

Beide mit dem Reisevirus infiziert, passionierte Defender-Fahrer und Overlander.

Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Begleite uns ein Stück des Weges!

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